The Austrian Prosopographical Information System (Apis)

Modernste computerlinguistische Methoden erschließen ein biographisches Lexikon als Datenquelle für historische Netzwerk- und Migrationsforschung.

Projektbild

Das Österreichische Biographische Lexikon (ÖBL) ist das einzige enzyklopädische Werk in Mitteleuropa, das Lebens- und Karriereverläufe bedeutender Persönlichkeiten des gesamten Gebiets der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie sowie der Ersten/Zweiten Republik erfasst. Für Kunsthistoriker vorrangig interessant sind die zahlreichen Biographien von Künstlern (Maler, Bildhauer, Architekt, Graphiker, Fotografen usw.) Kunstsammlern, Kunstkritikern und Kunsthistorikern. Darunter finden sich nicht nur große Namen sondern auch Personen, die von regionaler Bedeutung sind. Basierend auf den rund 18.000 publizierten und bereits digital verfügbaren Biographien werden in Zusammenarbeit mit dem Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) und dem Institut für Stadt- und Regionalforschung (ISR) durch den Einsatz unterschiedlicher Methoden der Computerlinguistik (differenzierte, textlinguistische Erschließung), moderner IT-Strukturen und des Semantic Web Möglichkeiten geschaffen, um Lösungsansätze für Forschungsfragen im geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Kontext zu unterstützen und spezifische Auswertungen zu ermöglichen. Das ÖBL wird durch Transformation in eine adäquate Forschungsinfrastruktur maschinenlesbar (RDF, SKOS), semantisch angereichert, in der Linked Open Data Cloud publiziert (Open-Access Bereitstellung der Daten unter der CC-BY-NC Lizenz) sowie vollständig an internationale Standards angebunden (GND, VIAF); eine Integration in bestehende europäische Initiativen (DARIAH, CLARIN, EUROPEANA) ist projektiert. Dadurch wird zugleich die maximale Zugänglichkeit der Forschungsdaten erreicht.

Im Sinne transdisziplinärer Zusammenarbeit verbindet sich die Expertise des ÖBL (historisch-biographische Forschung) mit jener des ACDH im Bereich der Corpuslinguistik und Textechnologie zur Entwicklung innovativer Methoden, um beispielhaft konkreten sozialwissenschaftlichen Forschungsfragen des ISR eine neue Plattform zu bieten; parallel wird eine umfangreiche sozialwissenschaftliche und demographische Analyse der Wanderungsformen und Wanderungsmuster gesellschaftlicher Eliten im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung der politischen Brüche innerhalb dieses Zeitraums erarbeitet/publiziert.

Das Projekt schlägt damit die Brücke von den Geisteswissenschaften über die Texttechnologie und Semantic Web-Ansätze zu den Sozialwissenschaften; es ist modellhaft, zukunftsweisend und realisiert Interdisziplinarität anhand eines konkreten „Werkstücks“.

Projektleiter

Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Gehler

Stv. Projektleiterin

Dr. Christine Gruber

Projektteam

ÖAW INZ Historische Netzwerkforschung Mag. Ágoston Zénó Bernád
ÖAW INZ Historische Netzwerkforschung Mag. Maximilian Kaiser
ÖAW ACDH Koordination ACDH Mag. Eveline Wandl-Vogt
ÖAW ACDH Natural Language Processing Katalin Lejtovic, M.A.
ÖAW ACDH Virtuelle Forschungsumgebung Mag. Matthias Schlögl
ÖAW ISR Koordination ISR MMag. DDr. Josef Kohlbacher
ÖAW ISR Migrationsforschung Mag. Peter Rumpolt

Links und Publikationen

Projekthomepage: https://apis.acdh.oeaw.ac.at/

Ágoston Zénó Bernád/Maximilian Kaiser/Katalin Lejtovicz/Matthias Schlögl, Mapping historical networks. Working with biographical data, in: Johannes Preiser-Kapeller (ed.), Entangled Worlds – Vernetzte Welten, Wien (im Erscheinen).

Ágoston Zénó Bernád/Maximilian Kaiser/Katalin Lejtovicz/Matthias Schlögl, APIS Dataset humanities scholars, in: Zenodo, 19.9.2017, DOI:10.5281/zenodo.896281.

Ágoston Zénó Bernád/Christine Gruber/Maximilian Kaiser (eds.), Europa baut auf Biographien. Aspekte, Bausteine, Normen und Standards für eine europäische Biographik, Wien: new academia press, 2017.

Ágoston Zénó Bernád, Europäische Biographik während des Kalten Krieges. Zur Geschichte der Kooperation zwischen dem Österreichischen Biographischen Lexikon und wissenschaftlichen Institutionen in Ungarn 1956–1989, Á. Z. Bernád/Ch. Gruber/M. Kaiser (eds.), Europa baut auf Biographien. Aspekte, Bausteine, Normen und Standards für eine europäische Biographik, Wien: new academia press, 2017.

Maximilian Kaiser, Was uns Biographien über Künstlernetzwerke sagen. Konzepte für eine historische Netzwerkanalyse auf Basis biographischer Texte aus dem österreichischen Biographischen Lexikon (ÖBL), in:

Á. Z. Bernád/Ch. Gruber/M. Kaiser (eds.), Europa baut auf Biographien. Aspekte, Bausteine, Normen und Standards für eine europäische Biographik, Wien: new academia press, 2017.

Ágoston Zénó Bernád, Das Österreichische Biographische Lexikon 1815–1950. Ein Nachschlagewerk im Wandel der Zeit, in: K. Á. Bartha/A. Biró/Zs. Demeter/G.-N. Tar (eds.), Hortus Amicorum. Köszöntőkötet Egyed Emese tiszteletére [Festschrift für E. Egyed], Kolozsvár, 2017, 457– 467.

Katalin Lejtovicz/Matthias Schlögl, APIS – Eine Linked Open Data basierte Datamining-Webapplikation für das Auswerten biographischer Daten, DHd 2017. Digitale Nachhaltigkeit, Konferenzabstracts, 13.–18.2.2017, Bern.

beteiligte Personen

Kategorie

Digital Humanities

Schlagworte

Biographisches Lexikon, Migrationsforschung, Natural Language Processing, Virtuelle Forschungsumgebung